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Weihnachten in Japan

Jetzt wo es auf die Weihnachtszeit zugeht, wurde ich schon mehrmals gefragt, ob Weihnachten in  Japan überhaupt gefeiert wird. Tatsächlich ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Die meistvertretene Religion in Japan ist der Buddhismus (und parallel auch Shintoismus) und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die meisten Japaner auf die Frage, ob sie Weihnachten feiern, mit „nein“ antworten. Nichtsdestotrotz sieht man einfach überall Banner mit „Merry Christmas“ und glitzernde Lichter auf Tannenbäumen. Der Weihnachtsmann klettert Lichterketten hinauf und winkt aus jedem Schaufenster.  Alle Restaurants sind ausgebucht und das bestimmt nicht nur von Ausländern. Ob gefeiert wird? Natürlich nicht! Doch was machen die Leute denn am 24sten, wenn sie gerade „nicht Weihnachten feiern“?

Weihnachtsschnäppchen kaufen und sie ihren Kindern nicht schenken? Die Weihnachtstorte ignorieren? Nun gut, so trotzig sind die Japaner auch wieder nicht. Mit der Weihnachtstorte kommt man dem Kurisumasu in Japan schon näher. Es ist eine riesige Torte mit typischen Weihnachtsmotiven, die, wie ich hörte vorzugsweise von Familien mit Kindern gekauft wird, um die Besonderheit des Tages zu unterstreichen. Zwar bleibt der Bezug zur religiösen Weihnacht komplett aus, doch manche Familien, sowie auch junge Paare lassen sich nicht die Gelegenheit eines netten Beisammenseins mit anschließender (kleiner!) Bescherung nach westlichem Vorbild nicht nehmen.

Es ist hier kein Familientag von ungeheurem Ausmaß wie in Deutschland, sondern eher vergleichbar mit dem Valentinstag, zumal jüngere Leute auf ein Weihnachtsdate aus sind. Es gibt natürlich auch hier gegen-Konsumgesellschafts-Leute, doch ich habe eher den Eindruck, dass die Leute lockerer damit umgehen. Sie genießen die Deko und die Schnäppchen, machen ihrem Partner ein kleines Geschenk, oder erzählen ihren kleinen Kindern vom Weihnachtsmann, der ihnen auf seinem Schlitten die Geschenke bringt.

Dass etwas im Busch ist, bleibt jedenfalls niemandem verborgen, doch im Hinterkopf hat jeder das eigentliche Familienfest – Silvester (Shōgatsu). Hier kommt auch die Religion mit ins Spiel, denn viele (wirklich viele!) besuchen an dem Tag einen Tempel und kommen dann anschließend mit der Familie zusammen.

Mich erinnert das Weihnachten hier ein wenig an das Weihnachten bei mir zuhause, denn der 24. Hat auch bei uns keinerlei religiöse Bedeutung. Im kleinen Kreis (nur meine Eltern und ich!) zusammen kommen, viel zu viel essen kochen und sich etwas schenken- warum sollte man sowas denn auch verschmähen?! Das wird mit persönlich dieses Jahr wirklich fehlen.

Stattdessen schließen mein Freund und ich mich mit ca. 20 gleichgesinnten Austauschstudenten zusammen, um bei Glühwein und Wichteln ein wenig westliche Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Ein Restaurant haben wir natürlich nicht mehr bekommen, aber zuhause wird es bestimmt auch lustig- wenn auch nicht für die Nachbarn

In dem Sinne, Meri Kurisumasu

P.S: Da junge Leute Weihnachten mit ihrem Partner verbringen, gibt ist in Japan das Gerücht, dass es beim Weihnachtsdate zum ersten Mal kommt. Ob das wohl wahr ist? Ich vermute, es ist eher eine Art Dauergag, wobei es in Japan erstaunlich viel Weihnachtsreizwäsche für Frauen gibt….

22.12.14 19:25, kommentieren

Erster Eintrag: Es wird wohl doch ein Blog!

Nach vielen Überlegungen und dem Hin- und Herzweifeln, ob ein Reiseblog eine gute Idee sei, oder lieber doch nicht, ist die Entscheidung nun gefallen. Offensichtlich hat der Blog vorerst gewonnen. Vorerst deswegen, weil ich das zum ersten Mal mache und daher kann auch ich nicht versprechen eine motivierte Bloggerin zu sein, die alle paar Tage ihre Leser mit Wahnsinnsfotos und interessanten Eindrücken beglückt. Aber vielleicht wird das ja noch, wer weiß, wer weiß...

Zunächst erstmal zu meinem Vorhaben, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.. Ich studiere nun seit 2 Jahren Japanologie und daher ist es nicht ganz so die große Überraschung, dass ich mich für ein Jahr in Japan entschieden habe. Beworben habe ich mich für die Auslandssemester über die Uni und dann kam letzten November die Zusage! Und auch noch mit meinem Freund zusammen, der jetzt nur ein Haus weiter wohnt. YAY. Die Vorfreunde war groß, vor allem bei den Informationsveranstaltungen, die organisiert wurden bei denen wir so viel Gutes über die Uni gehört haben. Über das Essen und "Let's speak Japanese"-Partys, über die "Japaner" allgemein, über Erdbeben und Taifun-frei...

Ich muss zugeben, dass es auch ein wenig spät für den Anfang ist. Von meinen 2 Auslandssemstern in Japan sind bereits ein Monat und zehn Tage verstrichen und mit ihnen auch die Aufregung der Anfangszeit. Langsam weiß ich ganz sicher wo ich wohne, wo nicht, wo ich am besten einkaufen gehe, wer die Leute um mich herum sind, was die Verkäufer wollen, wenn sie fast schon meditativ irgendwas vor sich hin grummeln, und auch wie der Hase sonst so läuft an der Uni-Dokkyo.

 

Anfangs war das alles noch ein Riesenthema und die Aufregung steigerte sich stetig, vor allem als es an die Vorbereitungen ging. 20 kg durften mit und es gestaltete sich gar nicht so schwer, wie gedacht. Zwei Tage vorher hab ich eigentlich richtig angefangen zu packen und zusammen mit meiner elchigen Freundin fiel die Entscheidung über Klamotten natürlich leichter. Die Lieblingssachen konnten mit, der Rest nicht.Vergessen habe ich überraschenderweise nur mein Certificate of Eligibility, das ich in Japan an der Passkontrolle hätte vorzeigen sollen. Natürlich malte ich mir während des Fluges aus, wie ich gleich wieder nach Hause fliegen darf, aber nichts dergleichen passierte. Der (Was-auch-immer-Flugzhafen)-Beamte schaute mich nur geringschätzig an und ermahnte mich dazu das Formular doch bitte, bitte nachzusenden. Überrascht war er von solch einer Gaijin(Nicht-Japaner, negativ! Wörtl. Fremder) -Aktion nicht gerade, was sollte man von uns auch schon erwarten :P

 

WIe angekündigt wurden wir nach einer 2 stündigen Busfahrt vom Flughafen in Tokyo zu unserem Städtchen Soka am Bahnhof abgeholt und zu unserem Apartement gebracht. Wir wohnen hier in 3er- WGs, in echt schönen Wohnungen, die ausgestattet sind mit Möbeln und Küchengeräten, wie unserem HighTech Reiskocher. Ich wohne mit einer Engländerin und einer Koreanerin zusammen und mein Freund nur ein Haus weiter. Echt praktisch!

Mit den Mitbewohnerinnen läuft‘s bisher ganz gut, kein Stress, keine "kulturellen Konflikte" vor denen uns unser besorgter Vermieter gewarnt hat, nichts Wildes. Vielmehr fallen Sachen auf, wenn man jetzt plötzlich mit Mädchen zusammenwohnt, nach 1,5 Jahren WG mit 4 Jungs. Als ich einmal nach einem lustigen Abend nach Hause kam, war die Klimaanlage (die ich so liebe!) in Wohnzimmer und Küche auf 29° warm gestellt und die warme Luft ist einem wie eine Wand entgegengeschlagen, sodass man wegen der krassen Luftfeuchtigkeit nach ca. 3 Sekunden anfing in Strömen zu schwitzen. Ich fragte meine Mitbewohnerin, was denn der Plan sei und sie antwortete selbstverständlich: "Mein Extensions müssen bis morgen trocken werden!" Macht Sinn. Ich bin in meinem Zimmer mit eigener Klimaanlage geflohen, also war es so gesehen nicht wirklich ein Problem.  Es kam nur so unerwartet und es war so unfassbar heiß!

 

So, für's erste reicht es jetzt einmal, ich will ja keine Lesemuffel vergraulen :P  Nächstes Mal gibt‘s natürlich mehr, in einem Monat kann viel passieren.

 (Falls ich tatsächlich wieder so schreiblustig sein sollte..)

 

 

 

24.10.14 11:50, kommentieren